Mit Kinderbuch zur Integration: Gutjahr-Mitarbeiter übt mit Kollegen aus Eritrea Deutsch

13.12.2023

Was macht das abgegriffene Kinderbuch „Kuschelgeschichten“ im Lager der Firma Gutjahr? Es war das „Werkzeug“ für die täglichen Lesestunden, in denen Lagermitarbeiter Sören Stoll mit zwei Kollegen aus Eritrea Deutsch übte – weil er ihnen bei der Integration helfen wollte. Der Einzelhandelskaufmann hat mit seinem Engagement die Kollegen und die Geschäftsleitung von Gutjahr beeindruckt.

Yohana Bereket (28) und Yibrah Tsge (33) sind während der ersten Flüchtlingswelle 2014/2015 nach Deutschland gekommen. Beide hatten eine Odyssee durch mehrere afrikanische Länder und Italien hinter sich, bis sie schließlich in Hessen gelandet sind. Es folgten Sprachkurse, Praktika und mehrere Jobs. Yohana Bereket hat dann 2017 bei Gutjahr eine Ausbildung als Fachlagerist begonnen und ist nach der Ausbildung übernommen worden. Im Januar 2022 vermittelte er Yibrah Tsge ins Unternehmen. 

Deutschstunde während der Arbeitszeit

Sören Stoll ist seit 2012 bei Gutjahr tätig und hat sich erst Yohana Bereket, später dann Yibrah Tsge angenommen. Er und seine Kollegen begleiteten sie beispielsweise auch bei Behördengängen oder beim Autokauf und halfen bei der Steuererklärung. Am wichtigsten war Sören Stoll jedoch, dass die Kollegen Deutsch lernen. Denn bei beiden gab es trotz der Sprachkurse noch große Lücken. „Ich finde, Sprache ist der wichtigste Schlüssel für Integration“, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann. „Durch Zufall fiel mir ein Kinderbuch in die Hände, und da hatte ich die Idee, damit Deutsch zu üben.“ 

Dabei konnte er auf die Unterstützung der Geschäftsführung bauen: Denn die Deutschstunden fanden auch während der Arbeitszeit statt. „Eine typische Stunde lief so ab: Herr Stoll hat zunächst aus dem Kinderbuch etwas vorgelesen. Dann haben sie das Gelesene besprochen. Und am Schluss sollten die ‚Schüler‘ es noch einmal zusammenfassen“, berichtet Gutjahr-Geschäftsführer Wolfang Brüll, der von Anfang an in das Thema eingebunden war. 

Hilfsbereitschaft anfangs ungewohnt

Dass sich die Kollegen und die Geschäftsführung so für sie einsetzen, hat die beiden ehemaligen Flüchtlinge sehr überrascht. „Das kannten sie aus ihren vorherigen Umfeldern nicht“, sagt Wolfang Brüll – und ist sichtlich stolz auf seinen Mitarbeiter Sören Stoll. „Er hat es einfach gemacht, als wäre es ganz selbstverständlich. Dabei ist es das sicher nicht, denn sein Einsatz ging weit über das Berufliche hinaus.“

Sören Stoll ist so viel Aufmerksamkeit eher unangenehm. Als Begründung für seine Hilfsbereitschaft sagt er: „Ich habe selbst schwierige Situationen durchlebt und konnte mich in die Situation von Yohana und Yibrah hineinversetzen.“ Gleichzeitig hat er die beiden Kollegen und ihre Geschichte so besser kennengelernt. „Also hatte ich auch etwas davon.“